Ein Blick zurück: Not und Nächstenliebe
Vor 1900 und noch viele Jahre danach lebten zahlreiche Familien in Bleialf und Umgebung in großer Armut. Männer verdienten den Lebensunterhalt als Maurer oder Tagelöhner – oft für Familien mit sieben oder mehr Kindern. Besonders in den Wintermonaten, wenn keine Arbeit verfügbar war und staatliche Unterstützung kaum existierte, mussten die Familien buchstäblich „von Haus zu Haus fechten“, um etwas zu essen zu bekommen.
Die größte Not herrschte meist im Februar. Deshalb entwickelte sich der Brauch, am „Fetten Donnerstag“ von Tür zu Tür zu ziehen und um Lebensmittel zu bitten. Die Menschen erhielten Speck,
Fleisch, Brot, Mehl und andere Grundnahrungsmittel.
Ein damaliger Spruch bringt die Situation auf den Punkt:
„Om Summer wor dem Merer ken Fleschweng z dejer, om Wonte ken ahl Knoch zu drejer.“
(Im Sommer war dem Maurer kein Fleischstück zu teuer, im Winter kein Knochen zu trocken.)
Kinder übernehmen den Brauch
Schon vor dem Ersten Weltkrieg übernahmen die Schulkinder das sogenannte „Heschen“. Anfangs war es ihnen unangenehm, doch der Brauch hat sich bis heute erhalten. Nach Schulschluss wird schnell gegessen – und dann geht’s los: von Haus zu Haus, oft verkleidet und in kleinen Gruppen.
Dabei singen die Kinder traditionelle Lieder, darunter:
1. Jras, Jras Jrumen …schnek dief, schnek dief, schnek en juden fetten Jriew…
2. Hej kennt en ahlen Hond …jet him en Zenner Speck…
3. Hier kommt ein kleiner König …gib ihm nicht zu wenig…
Letzteres ist heute das beliebteste Lied. Als Dank erhalten die Kinder Süßigkeiten, die sie in Beuteln sammeln. Früher gab es auch Eier, Speck oder selbstgemachte Leber- und Blutwurst – Geld war selten.
Eine berührende Erinnerung: Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg zog eine Frau aus Niederlascheid mit ihren sechs Kindern, die in einem Eisenbahnwagen lebten, ebenfalls heschend durch Bleialf. Sie sang ein anderes Lied:
„Wer hat die schönsten Schäfchen, die hat der goldne Mond...“
Karneval in Bleialf – Von der Tradition zur Feier
Die Weiberfastnacht wurde in Bleialf erst ab etwa 1953/54 gefeiert. 1956 organisierte der neu gegründete Karnevalsverein die erste Sitzung mit Prinzenproklamation – bis 1977 fand sie traditionell am Fetten Donnerstag statt.
Ab 1978 wurde die Veranstaltung auf den darauffolgenden Samstag verlegt, da die Frauen von Bleialf und Umgebung das närrische Treiben bereits am Mittag für sich beanspruchten. Seitdem lädt die Frauengemeinschaft Bleialf jedes Jahr ab 12 Uhr zum bunten karnevalistischen Nachmittag in den Pfarrsaal ein – ein Fest, das bis in die späten Nachtstunden dauert und die Gemeinschaft feiert.