Waschechter Bleialfer hat es eilig

 

 

 

 

 

Der kleine Maximilian hat sich viel Zeit gelassen, um auf die Welt zu kommen. Doch nun ist er da – als erster nach Jahrzehnten in Bleialf geborener Säugling. Von Frank Auffenberg

 

Erst ließ sich Maximilian einige Tage Zeit, dann hatte er es plötzlich ganz eilig: Fünf Tage nach dem vom Arzt errechneten Termin kam der Kleine so schnell auf die Welt, dass keine Zeit mehr blieb, um die werdende Mutter ins Krankenhaus zu fahren. „Ehrlich - das Ganze war irgendwie anders geplant, aber was soll man machen. Es passiert, wenn es passiert“, sagt Maximilians Mama Elke Schweyen (27) und lacht. Immerhin: Weil Maximilian nach dem Bummeln so viel Elan an den Tag legte, ist er wohl nach Jahrzehnten der erste waschechte gebürtige Bleialfer.

 

„Ich dachte, ich höre nicht richtig, als mir eine Kollegin im Dienst sagte, dass ich heute doch eigentlich in meinem Heimatort sein müsste, wenn da schon ein Kind geboren wurde“, sagt Edith Baur, Ortsbürgermeisterin von Bleialf und Krankenschwester in Prüm. Erst habe sie an einen Scherz gedacht, dann aber doch gefragt, wer das Kind denn zur Welt gebracht habe.

 

„Natürlich durfte man mir das aus Datenschutzgründen nicht sagen und hat es auch nicht. Weil ich den glücklichen Eltern aber zur Begrüßung ihres echten kleinen Bleialfers etwas schenken wollte, hörte ich mich im Ort um“, erzählt Edith Baur. Zu ihrer Überraschung erst mal weiterhin vergebens. „Das war schon ungewöhnlich für so einen kleinen Ort, der Zufall wollte es aber dann doch regeln.“ Der stolze und frisch gebackene Großvater stand nämlich wegen einer Beglaubigungsangelegenheit vor ihr und sagte, dass man ja nun als Großeltern etwas gemeinsam habe. Schnell habe sie sich dann bei Elke Schweyen und ihrem Lebenspartner Sebastian Berg-heim (29) gemeldet. „Das passiert ja schließlich nicht alle Tage.“

 

Selber könne sie sich nur an einen Herrn erinnern, der tatsächlich in Bleialf geboren wurde. „Das war aber 1963 und liegt damit schon ein bisschen zurück.“ Neugierig sei sie schon, ob es nicht noch einige waschechte Bleialfer nach ihm gegeben habe. „Maximilian ist auf jeden Fall der jüngste“, sagt Edith Baur.

 

Doch wie kam es denn nun zu dieser Heimatgeburt? „Wie gesagt, wir haben das Ganze anders geplant“, sagt Elke Schweyen.

 

Erst ließ der Kleine ja auf sich warten, dann, einen Tag vor der Geburt, sei sie mit Wehen ins Krankenhaus gefahren. „Dort hieß es aber, es sei falscher Alarm“, sagt die Mutter. Man habe gedacht, dass es Verspannungen seien, und ihr geraten, ein Bad zu nehmen. „Tja, und dann ging es richtig los. Nur eine Stunde später hatten wir schon alles hinter uns. Weil es so schnell ging, kam Maximilian vor der Tür meines Elternhauses im Krankenwagen zur Welt.“

 

Kurios sei, sagt Elke Schweyen, dass sie sich im Grunde kaum an die Geburt erinnere. „Ich war in guten Händen. Zwei sehr nette Rettungssanitäterinnen kümmerten sich um mich und später um das Kind. Mein Freund war die ganze Zeit dabei. Eigentlich also doch ganz schön.“ Das findet auch Edith Baur.

 

„Es ging ja alles gut. Mutter und Kind sind gesund und munter, und wir haben einen richtigen Bleialfer im Ort“, fasst sie die Situation zusammen. Nur die Frage, wie viele echte Bleialfer aber noch im Dorf wohnen, nagt weiterhin an der Bürgermeisterin.

 

„Das interessiert mich nun doch. Wer hier wirklich geboren wurde, kann sich gerne bei mir melden und bekommt dann auch ein kleines Begrüßungsgeschenk“, verspricht sie. Allerdings müsse der oder die es dann auch belegen können. „Dass Maximilian nun offiziell Bleialfer ist, war übrigens nicht sofort sicher. Man sagte mir, dass im Krankenhaus nach der Geburt überlegt wurde, Bitburg in die Geburtsurkunde einzutragen. Schließlich einigte man sich aber doch auf Bleialf. Sonst hätte ich mich aber auch entschieden dafür eingesetzt.“

 

Gebürtige Bleialfer können sich bei der Ortsbürgermeisterin Edith Baur unter Telefon 06555/931508 oder per E-Mail an gemeinde.bleialf@t-online.de melden.

 

(TV vom 29.12.2017)